Hatter Initiative legt Sortengarten an – Pflücken erlaubt
Vergessene Apfelsorten
Ein Bericht in der NWZ vom 26.11.24 von Werner Fademrecht
Vom Geflammten Kardinal bis zum Finkenwerder Herbstprinz – in Sandhatten (Gemeinde Hatten) ist am Montag eine neue Streuobstwiese entstanden. Freiwillige der Initiative zur Pflege und Entwicklung von Naturschutzflächen (IPEN) pflanzten ausgewählte alte Apfelbaumsorten auf einem kommunalen Stückchen Land an, das durch die Flurbereinigung entstanden war. Zwei bis drei Jahre soll es nur noch dauern, dann dürften die halbstämmigen Bäume bereits erste Früchte tragen, so die Prognose der Experten.
2000 Apfelsorten gibt es in Deutschland, weltweit sollen es sogar etwa 30.000 sein, so das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. In Supermärkten dominiert dennoch nur eine Handvoll Sorten wie Elstar, Braeburn und Jonagold. Die Hatter Initiative zur Pflege und Entwicklung von Naturschutzflächen, kurz IPEN, will mit ihrem neuesten Projekt etwas für die Popularität älterer, zu Unrecht vergessener Apfelsorten tun. In Sandhatten, auf einem aus der Flurbereinigung entstandenen öffentlichen Grundstück an der Straße „Wasserbreite“ haben die Freiwilligen am Montag dafür eine kleine, aber feine Streuobstwiese angelegt.
Probieren erwünscht
Boikenapfel, Baumanns Renette und auch der Seestermüher Zitronenapfel werden hier in den kommenden Jahren blühen und gedeihen. „In zwei bis drei Jahren“, so schätzt Georg Schinnerer, „dürften die ersten Stämme bereits Früchte tragen.“ Zwei bis drei Jahre haben alle Jungbäume bereits mindestens in einer Baumschule hinter sich. Im Februar sollen sie noch einmal zurückgeschnitten werden, damit sie eine gut ausgebildete Krone bilden.
Anders als in fremden Gärten wird es in der insgesamt 22 Apfelsorten umfassenden Streuobstwiese ausdrücklich erlaubt sein, die reifen Früchte zu pflücken. „Wir hoffen sogar, dass viele Menschen so auf den Geschmack kommen und die alten Apfelsorten dann später auch auf eigenen Grundstücken anpflanzen“, sagt Norbert Klüh. Damit das Pflücken in dem sogenannten „Sortengarten“ den Besuchern nicht schwerfällt, handelt es sich ausnahmslos um sogenannte „Halbstämmige“ – Bäume, die nur etwa 1,20 bis 1,60 Meter große Stämme ausbilden, denn wer bringt schon extra eine Leiter mit?
Fielmann fördert
Den Kauf der etwa zwei bis drei Jahre alten Apfelbäume machte die finanzielle Unterstützung durch die Fielmann-Förderstiftung erst möglich. Das notwendige Zubehör wie die Holzpfähle oder den Verbissschutz stellte die Gemeinde Hatten zur Verfügung. Der Verein IPEN bringt als dritte Säule des Umweltprojektes viel ehrenamtliche Arbeitskraft ein. Mit dem Anlegen des Sortengartens ist die Arbeit vor Ort noch längst nicht vorbei. Zweimal pro Jahr, so Klüh, müsse das Areal gemäht werden. Um die Fläche weiter aufzuwerten, sollen zwischen und entlang der zwei Baumreihen Blühstreifen angelegt werden.
Ebenfalls in Sandhatten, nur wenige hundert Meter entfernt, waren vor kurzem Naturhecken zum Teil deutlich gestutzt oder ausgedünnt worden , auch daran war IPEN beteiligt. Als eine „Planung von unten nach oben“ beschrieb Georg Schinnerer, Biologe und ehemaliger Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde, den von der Initiative 2021 eingeschlagenen Weg. Man schaue vor Ort, wie geeignete Flächen im ökologischen Sinne entwickelt werden könnten.
Für einen guten Start der Streuobstwiese tun die Helfer so einiges. Komposterde, Mineralien und stabilisierende Pfähle sollen das Wachstum optimieren. Ein Verbissschutz, der unterirdisch Wühlmäuse und oberirdisch hungriges Wild von den jungen Bäumen fernhält, sorgt für ungestörtes Wachstum.
Hier noch weitere Bilder der Pflanzaktion:
Die Wurzeln der jungen Apfelbäume werden mit Maschendraht vor Nagern geschützt!
Das ist das Abschlussbild. So sieht der neu angelegte Sortengarten an der Wasserbreite in Sandhatten jetzt aus:
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